Un poème lyonnais

Für S.F.
Aus dem Dunkel: die Bäume. Die Häuser, lichternd. Es gehen Menschen zu viert, & einzeln, & niemand nennt den andren beim Namen. Die Giganten schlafen. Unsere Welt tragen sie mit ihren Träumen. Die Autos hingegen, die schlafen & träumen nicht, die bleiben nicht stehen. Keine Autos, keine Busse, keine Züge. (Wo keine Züge fahren, können sie auch nicht halten). So bleibt man verloren im Lachen & sieht runter auf Schuhe & Hosenbeine. An sich herab schaut man da, sieht sich & die Hände, die einander berühren wollen, & die es doch noch nicht schaffen. Nur eine einzige Bewegung will man haben, ganz kurz bloß, der Finger, der den Puls misst, ein Arm, der einen andren streift – du mit deinen Armen! -, einer Flüchtigkeit will man auf den Leim gehen, & einsinken in der Klebrigkeit, die Mensch heißt. Leichtigkeit.

Einmal nicht denken, denk ich, & jede Unschärferelation klingt nach Betrug, & matter Morgenröte. Jeder Tag ist da Widerrede, Physiotherapie, Luftschutzbunker: den Atem schützen muss man sich, wenn vier Leute im Fahrstuhl stehn, & nur einer kaut Kaugummi. Den Durchbruch erlebt man erst draußen, wenn der Himmel wieder weit ist & die Wolken wattig. Wenn alles Straße ist. Da gibt es immer einen, der mit dir mithalten kann, der geht mit dem gleichen Fuß voran, fällt zurück, überholt dich, & bleibt an der gleichen Ampel stehn – schneller! Mit Doppel-L. Wie Fallen. & Vorstellung. Ein Doppeltes im Halben quasi. Zwei Nieren, Lungenflügel, Hirnteile. Man bräuchte zwei Herzen, um sich selbst gewachsen zu fühlen. Dem Stress, & der Liebe, dem Neu-Kennenlernen. Wer geschieht dem anderen, wer widerfährt?

Wir sitzen nebeneinander wie Handschellen, Rücken an Brust & das eigne Bein dicht bei einem Fremden; wir riechen einander, blicken uns auf Zähne & Mund, die Poren sehn wir uns an. Unsere Worte kreisen dabei. Sie gehen von links nach rechts & nach unten, wo unser Haben pulsiert mit dem Blut, das manchmal schwer ist, & dunkel, aber wir lachen viel, dein Lachen ist Zucker. Gierig seh ich dir zu, wie du lachst; c’est toxicomane. Wie ich bin, weiß ich meist nicht. Ich erinnere mich nicht, was ich sage. Nur deine Wörter bleiben. Deine Erinnerungen & Momentaufnahmen, deine Gedanken, die sich immer wieder neu verzahnen, aufbauen, verlieren. Deine Punkte sind ganz sanft am Ende der Sätze. Wenn ich bei dir sitze, vergesse ich mich in einer Weise, wie es mir fremd ist. Alle Zeit geht mir verloren. Alle Welt; es ist egal, was gestern war, denn gestern ist kein Zustand. Auch morgen nicht. Es gibt nur Augenblicklichkeiten.

Ganz fremd sein, kann man sich da, im Hungern & Träumen, in einem Geruch, der weich ist & weiß, in den man sich legen kann wie in ein Bett. Ein ferner Traum ist dein Geruch. Eine Erinnerung an Frankreich im Frühling, an Lyon im Herbst, wenn die Seide kühl wird zwischen den Fingern, & die Luft schwer von Pistazien. Das ist es, was wir wollen. Wir trinken den Weißwein aus Rotweingläsern & sind glücklich, wie man nur einmal glücklich sein kann im Leben. Da ist dann ein Rauschen in uns, ein Toben; wir wissen nicht, was kommt. Wir wissen nicht, was wir tun, & mit welchen Berührungen wir besser lebten. Also schauen wir uns an, wartend. Bis plötzlich etwas geschieht.

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