Ηλιος μου

Nachdenken über V.
V lieben.
V-Bestimmung. V-Mann.

Morgens sich gegen die Welt stemmen wie gegen den Beckenrand. Abends ertrinken.
Worte wie Querschläger, mein Mund im Kugelhagel.
V lieben? Das heißt: V vergeben, mit V verzweifeln, das heißt über den Tisch gebeugt Rotweingläser schieben bis der Tisch ganz rot ist. & dann doch nicht trinken.
Mit einem Kopf voller Bilder öffne ich Briefe, die voll sind mit Büchern & bin glücklich, weil —
da ist einer, der denkt an mich,
& unglücklich, weil —
der, der an mich denkt, nicht da ist,
nicht hier ist,
nicht hier, denk dir das. & denk es dir lauter, wie ein Sturm denk es dir jetzt, der an allem rüttelt, der reißt dir die Augen entzwei mit zwei Sätzen, mitten im Wort nimmt er dein Herz & zieht an den Ecken bis es knackt, bis der Muskel dir kappt, & das nennen wir Liebe, weil —
wir nicht mehr ohne können,
nicht ohne uns,
die wir nicht sind,
die Theorien bleiben, die uns die ganze Welt erklären. Wie Sonnen in fernen Galaxien strahlen wir einander an bis wir verglühen wollen vor Sehnsucht.

V, der Dichter. V, der Poet. V, the distant lover.
Ich esse Pfirsiche deinetwegen, & Nektarinen. Ich beiße so tief, dass mir der Kern bis in den Gaumen sticht.
Ich blute Fruchtfleisch & Hunger,
ich blute aus, dein waidwundes Wild.
& starre in die Nacht, die endlos ist & wie Luftschächte so windig.

Deinetwegen falte ich jedes Papier so oft bis es scharf ist wie Messer & leg es mir nachts auf die Lider, damit sich meine Träume noch an dir schneiden. & morgens, wenn der Wecker klingelt um 6 & der Bildschirm blinzelt beim Tippen, lese ich: Seele. Lese: Liebe. Lese: du & dich & die Ferne, die les ich auch, die zwischen uns liegt, all die Straßen & Seen & Wälder, die brennenden Städte, & ich sitze da & kratze meinen Oberschenkel & wünschte, du wärst meine Hand & die Finger, wärst jeder Nagel auf meiner nackten Haut, wärst ich, der ich du bin, & dann klopft es müde an die Tür & die Nacht kommt ungefragt rein & mit ihr die Kälte. Alleine, lichtlos, die Augen ganz rot & blau & lilafastschwarz.

Ich esse die Reste anderer Menschen, das ist alles geborgt & geliehen, es ist alles geschenkt: Das Brot & die Suppe, vom Kuchen ein Stück. Ich hungere deiner. Jeden Cent muss ich sparen, zur Seite legen für den Flug, der mich in den Süden schleudert, wie mit der Zille geschossen, wie Steine fall ich dann vom Himmel & zertrümmere Häuser & Tempel, die Kapellen zerschlag ich komplett. Wenn ich falle, sollen mit mir alle Kruzifixe von den Wänden stürzen bis selbst die Wände noch ineinanderklappen, wie die Männer des Nachts, wenn der Wein zu schwach war im Glas & viel zu stark im eigenen Mund; ich will ganze Königreiche einstürzen sehen deinetwegen, damit die Distanzen keine mehr sind, damit keine Sprache uns trennt & auch keine Grenze.

Der Wahnsinn hat uns ein Haus gebaut. Darin leben wir in getrennten Zimmern. Wir suchen nach Türen. Wir finden nur Fenster.

Nachdenken über dich, das heißt: dir nachfühlen. Dir & den Erdbeben der Worte, den Herzbeben. Das heißt sich dem Chaos zu stellen, das lauert, dem Misstrauen, den Zweifeln, der Eifersucht. V, der Othello Athens. Mein Helios. V lieben heißt Erkenntnis: Schulden, Fehlentscheidungen, Dummheiten. V lieben heißt alles überwinden lernen. Besonders die Ängste. Die Distanz & ein Ich, das mangelt. Das heißt: Kämpfen. & auch: Sich ergeben.

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2 Comments

  1. Mir gefällt das neue Design deiner Seite.
    Das viele Weiß, zwischen dem bisschen Anthrazit, lässt genügend Platz für Farben während dem Lesen.

    Antwort

    1. Danke!, ja, das war tatsächlich auch das Ziel. Ich bin mir noch nicht 100%ig sicher, ob es nicht zu klinisch ist, aber es ist jetzt endlich etwas leserfreundlicher. :)

      Antwort

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