Hephaistos

Morgens in Berlin.
Im Bett strecke ich mich nach links, denn links bist du, & mir tanzen deine Finger einzeln über die Brust; darunter: ka-tusch, ka-tusch, ein Origamiherz, es flattert & knistert, das raschelt neben den Feuern, die sich zwischen uns entzünden – ja, wir versengen einander, mit Blicken so hungrig, mit Zündholzfingern, mit Feuerzeughänden:
Wir, in der Mitte des Raums, die T-Shirts & Unterhosen, die Klamotten, die uns schwer wurden an unseren federleichten Körpern, liegen als fremde Städte zu unseren Füßen – ein Königreich der Kleider, darüber herrschen wir nackt, & stürzen
einander
ins Überall, stürzen eine ganze Welt in Flammen.
Schaut, wir rollen über Matratze & Boden, über die Decke, die seitwärts fällt, hier – der Nabel der Welt: Dein Lächeln, das Grübchen in deine Wangen knautscht, die Härte deiner Arme, die Weichheit deiner Haut, schwarze Haare, wirbelnd wie Stürme —
Wir: Sturmkinder!
Ich schiebe dir bunte Kissen unter den Kopf, schiebe mich unter dich, so heben wir uns hoch ins Zimmer, das endlos ist zu allen Seiten, ein Zuhause für 2, & wir greifen & fassen, wir lassen nicht los – hast du mich, ja, ich liebe dich, ja. Ich bin da, solange ich kann.
Mir schillert die Haut von deinen Worten, dir die Lippen von meinem Kuss, mit lautem Wollen verglühen wir als Funken, als Stöhnen auf zwei Zungen – als Salz & Zucker der Nacht.
Da sind zwei Knoten, die sich fester aneinander pressen, je stärker einer an ihnen zieht,
wir lösen uns nicht,
aber unsere Beine, die schmelzen uns weg, die sind Sauce: Wir werden zwei Kleckse – Schokolade & Vanille –, & werfen Blasen, kochen, brodelnd wie Teer. Wir ertrinken in Glut,
trinken die Glut,
gießen sprudelnd uns in neue Tiefen!
Schaut, hier sind zwei, die nähern sich der Liebe wie Kometen, die leuchten hell des Nachts, wenn es ganz still wird um sie her, dann lachen sie, oh Romeo, die erleuchten die Himmel wie Sonnen, mit goldenen Rändern zittern sie, mit dem Gleißen von Göttern: Hier regnet es Sterne, sobald sie den Boden berühren – sobald sie im Zimmer stehen, die Körper dicht aneinander, die Atome: siedend, wie Dampf, ka-tusch, ka-tusch, & drum herum: eine Stadt, die Theben ähnlicher ist als Berlin. Er – vor der Tür, vor der Tür?, vor mir, in meinen Armen, ein Sprung zur Seite bedeutet einen Sprung zu mir, denn ich bin da, solange ich kann, bin Meere & Wind, bin Gezeiten & Zeit, & stehe mit dir, wiegend: die Knochen, Nerven, Muskeln & Haut, ein Mensch, der sich vernäht mit einem Menschen – wie, wenn nicht so, wann, wenn nicht jetzt. Mit einem Stoß in die Rippen sagt das Herz: TANZ! & wir tanzen wie Flammen, tanzen um die Benzinfässer der Welt – unseren Spiritus sancti: leicht Entzündliches, Gastanks & Alkoholdepots –, & rufen einander immer zuerst,
als erste Menschen,
als letzte Menschen,
als Götter zwischen Göttern,
& legen im Kuss die ganze Stadt in Schutt & Asche.

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4 Comments

  1. Oh wie wundervoll das geschrieben ist! Ich freue mich, dass ich meinen Weg hierher gefunden habe und werde morgen gleich hier stöbern um herauszufinden, welche Schätze sich in diesem Blog verbergen. Ich bin schon ganz gespannt und lasse liebe Grüße da,
    Meichy

    Antwort

    1. Oh, na vielen Dank! & auch: Willkommen! Ich wiederum bin jetzt mal gespannt, was du in den Archiven so entdeckst. :)

      Antwort

  2. Ich liege wohl ganz richtig wenn ich „HEIẞ“ schreibe :)

    Antwort

    1. Prinzipiell ist es nicht daneben, nein. :)

      Antwort

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