Der Aufstand der Antipoden

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Z. Ein Zickzackkurs. So lieg ich im Bett. Die Arme von mir gestreckt, die Beine angewinkelt. Ohne Kopf. Das Z bin ich. Ein geschlossener Kreis: Von A. zu mir. Von mir zu A. Ich höre David Bowie, der tot ist, mittlerweile, & zerreiße Briefe ungelesen. Lutsche Traubenzucker. Um mich die Bücher von Herzl, Illouz, Kinet. Die Hand auf der Brust, die den Herzschlag misst, endlos Abgeklopftes, ach Innenleben.

Ich schlafe schlecht & stehle Löffel. Ich schneide mich an Plastikdeckeln, stoße mich an Tischecken, stolpere über Teppichkanten. Ich knutsche auf der Tanzfläche mit einem Dramaturgen & finde das lustig; er schätzt mich auf 36. Später lachen wir & sind beim Abschied ganz verlegen. Da ist so vieles, was sich ansammelt, & so wenig Zeit. Alles ist aus dem Ruder & aus den Fugen, mir geht das ganze Konstrukt aus den Angeln, ständig heben sich Dinge auf, die ragen ineinander & prallen zusammen, alles, dein wunder Mund, ich weiß nicht mehr, was ist, was Sache ist, mein ich, was normal ist, welches Gefühl & welche Entscheidung, ich erkenne nichts wieder von dem, was mir einmal wichtig war. Da sind Schachteln voll mit Zeug & die versteh ich nicht, die Bilder von Gestern, die irgendwen zeigen, nur mich nicht. Wörter, überall sind Wörter, & die lesen sich, als müsse ich sie begreifen, aber ich greife sie nicht, sie gehn links & rechts an mir vorbei – wer erzählt denn hier eigentlich all diese Geschichten? Wer bricht sich das Herz & die Zähne, wer räumt sich die Schränke aus & ein & trägt ja doch immer das gleiche, wer schwitzt & tritt auf der Stelle, wer schreit nicht, wer schweigt & glotzt bloß, wer lacht zu laut & trinkt zu viel?

Hungrig vergesse ich mich, vergesse, wer du bist, wer ich sagt, & wir & niemals einen Namen. Wohin also mit den Notizen, mit deinen, dem schiefen Herzen, dem faden Rot/dem roten Faden, der mal silbrig schien & der’s dann doch nicht war – wohin mit den toten Dingen, die angesammelt sind in meiner Gruft der Dinge? Wohin mit den kaputten Einzelteilen, die nichts mehr halten, die nichts mehr sind & nichts bedeuten, wohin mit den Entwürfen? Ins Feuer.

Ich liege nicht, ich renne. In Gedanken bin ich ständig in Bewegung. Nur nicht zurück, nicht zurück zum Vermissen-Müssen, zur Leerstelle, die sich mit dunklen Wassern füllt. Ich stopfe lieber meinen Schwanz in irgendso’nen Typen & nenn‘ das Wahrheit als zu trauern, denn ich zittere nicht & neide nicht & ich bereue nicht & habe keine Angst. Es ist vielmehr der Wahnsinn, der – endlich – als König herrscht über diese Stadt der Städte, über wüstes Land. Ich werfe das weg, dieses Alles, das stets zu klein war für mich, werfe die Fesseln ab, die du bist & ich & wir, denn alles geht kaputt, & alles tut weh & das ist okay, sag es: es ist okay, alles ist okay.

Kampf, kämpfen muss ich, einen Kampf ums Z, um den Endpunkt, das Ziel. & das staubt mir nicht ein in diesen Regalen & Schränken, in den Kisten & zwischen den Büchern. Es ist kein Ding, das sich besitzen ließe. Also: Blut, hier spucke ich Blut ins Waschbecken & grinse blutig, zahnlückig, stolz. Ja, auch ich gehe kaputt, bin Teil der Zerstörung. Ich reiße mir die Krusten auf, vernarbe mich. Es ist o-k-a-y. Zeit zähmen: Ich packe dich fort, der sich mir sehnt, der sich selbst sehnt, der zwischen den Kissen liegt wie früher, der lacht & weint wie früher, der mir die Hände hält wie früher – der aber nicht Früher ist.

Atme, atme!, ich atme freier & Feuer, denn die Räume sind endlich eingestürzt, die wasserfleckigen Decken, die schimmelverkrusteten Fenster, die Kerkertüren sind offen: die Postmoderne überbrüllt!, da ist ein Ende in Sicht, ein Moment des Friedens, umstürzt vom Chaos, was machen wir nur damit? Was lässt sich alles sagen – in so viel Freiheit, was lässt sich Neues fürchten & begehren, was lässt sich wollen in einer Welt, die noch nicht begriffen hat, dass sie sich geändert hat – nicht nur du & ich, nicht nur wir, sondern auch die andern. Da wälzen sich neue Geschichten heran, sie rudern in Schaluppen über Meere & zwängen sich durch enge Zäune & Gitter, sie warten & warten & warten & sprechen unsere Sprachen nicht, aber sie sind hier, nickend, suchend, hungrig, & die schlagen Alles kaputt, was uns wichtig schien & das es doch nicht war.

Was? Wir. Sind. Kaputt. Also fort & also nieder. Also Ende. Also Schluss. Von A zu Z zu A. Das Immer: abgeschafft.

& dann, & nur dann: Auferstehung.

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