The Mixed State

1.
Am Fenster, er raucht am Fenster, & die Welt, als ein Viereck, steht wie vor ihn hingestellt – ein Gebäude an Welt: Autos & Regen & Licht. Wie glücklich ich bin. Wie leicht & lose, Daunenfedern aus der Jacke. Ich liege als schwarzes Komma im weißen Bett, sehe: Rauch, kräuselnd, am Fenster, die Kippe – ein roter Punkt. Er lehnt sich gegen den Sims & lehnt sich der Nacht entgegen. Wie traurig ich bin. Wie schwer & zäh, angebrannte Bohnen in der Pfanne. Wie fern das alles ist, wie weit weg. Ich sehe ihn wie durch einen langen Gang.

2.
Es fällt mir schwer zu reden. Die Wörter sitzen nicht. Stattdessen: Die Gefühle, die wie Stürme über mich kommen. The Mixed State, was heißt das überhaupt, dieses glückliche Zerschmettertsein, dieses tieftraurige Lachen? Er legt sich neben mich – ein Drittel Rauch, ein Drittel Chanel, ein Drittel Weichspüler, ein Duft wie eine Droge –, & ich vergrabe mein Gesicht in seinem Rücken, in die Haut zwischen seinen Schulterblättern, der perfekte Platz für meinen Kopf; ich atme ihn.

3.
Als er weg ist, reiße ich das Fenster auf; da ist der Regen, da ist das Licht. Das Bett ist ungemacht. Ich rieche an meinen Händen, aber ich rieche ihn nicht. Hier ist nichts, nichts –– nur Virginia — wieso Virginia, wieso jetzt? Sie steht am Fenster – das weiße Kleid wie ein Sack, viel zu weit, viel zu weit für diesen schmalen Körper; sie ist nur Haut & Knochen, eine Wolke, die sich langsam löst, die sich auflöst, ein Hauch genügt & sie ist fort –, am Fenster steht sie & richtet ihr Haar. Fear no more, ihre Stimme ist statisch, Fear no more. Was ist denn noch zu fürchten? All of this, sagt sie, The inability to speak & write, the inability to love, the madness. Sie steckt sich eine Haarklammer zwischen die Strähnen & lächelt. I will keep losing them, won’t I? Dann kommt der Wind & der Regen, & das Licht, flackernd, wischt sie wieder fort.

4.
Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, zu meditieren?, fragt mich Dr. H & lächelt dabei. Ich meditiere seit 127 Tagen – jeden Tag. Es sind Ausschnitte der Stille, in die ich schlüpfe wie in übergroße Pullover. Ich wattiere mich – jeden Tag, 127 Tage lang. Trainiere & lese, ernähre mich gesund. Ich trinke drei Liter Wasser am Tag. Nehme keine Medikamente. Es sollte besser werden, sagen sie, mit der Zeit sollte alles besser werden, immer besser, bis es zu gut zum Leben ist, unlebbar perfekt also, das ist der Zustand der Heilung. Die Therapie.

5.
Herr Da sagt, ich solle schreiben. Also schreibe ich:

In moments like this, & I think I never shared them with you, does life feel like a fountain, a never-ending spark – something marvellous, but frightening, something beautiful, but massive; a turbulence, a fall towards the sky. I feel fragments of fragments, like tiny bits of memories – the sun catching dust over a piano; white linen, freshly spread over a bed; strawberries eaten at a window –, but also memories of all the things that never happened – opportunities that were never taken; a multitude of people, conversations, feelings; cities that ceased to exist, etc. & everything is right & out of order at the same time; the feeling of seeing life as it is – all at the same time, like a glance through mirrored glass.

In moments like that I am filled with pictures, I can’t contain them, they espace me without intentions; every word has a melody now, a meaning; everything turns real, solid, as if I would have lived life staring into the void before & now, after I started to feel my heartbeat again – dark & from afar, like someone’s calling my name – I feel pushed out in the open, a god filled with fire & with an earthshaken clearity, & I feel inspired, high. Poems are burning on my tongue.

Als ich wieder zu mir komme, ist es schon dunkel. Mein Kopf fühlt sich schwer an, wie abgeschlagen & falschrum wieder drangenäht. Meine Hände sind kalt. Wen meine ich, wenn ich sage: Ich vermisse dich?

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