Der Vampyr

I
Da ist einer, der näht dir den Mund zu mit goldenem Faden,
sprich nicht, denk nicht, nimm deine Finger von mir,
der meint es nicht so, nein, der will nur das Beste,
deine Stimme für dich,
dein geschäftiges Plappern,
behalt es, bewahr das, gib’s bloß nicht weg,
einer, der will sich nicht hören in dir,
der will sich nicht sehen,
der spiegelt nicht, was er ist –
dein frisch geschaufeltes Grab.

II
Du gehst nicht, du fliegst in blutroten Wolken,
fliegst trunken, fliegst mir entgegen,
vernähst nachts mir die Träume,
– ein Stich durch mein goldenes Herz,
mein bleigewordenes, mein Scherbenherz –,
nähst dich mir ein in die Lungen,
in Leber & Milz,
bis meine Träume mir die Gedärme verderben.

These are my rules & this is my game.

Du jagst Zähne & Klauen in mich,
lässt mich bluten in mir,
lässt mich verbluten in dir,
& jagst aus, was an Leben mir blieb,
dieses wenige, dieses fast verbrauchte,
mein Kummerbundleben, das mich einst hielt.

III
Er nimmt wütend & weise,
nimmt mir Vergebung & Schlaf.

Ein Tausch, sagt er, für die Liebe,
ist der Wahn, der nicht sättigt,
ist mein ewiger Durst;
ich gehe dir nach
bis dein Schatten
leise
unter meinen Sohlen erlischt;
denn ich bin die Sehnsucht der Nacht.
Ich kenne kein Bitte.

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Alles, was mein ist

to_life

& so – so – gehen die Jahre.
So gehen die Menschen von einem Ort zum andren, lächelnd, in Eile.

Da blättert Papier.

Sie stecken die Hände in die Hosentaschen, sie schlagen den Schal zurück in den Nacken, da klimpert Geld auf steinernen Tischen, Strohhalme – in Flaschenhälse gesteckt –, schwanken. Da sind Finger, die kratzen Haut unter Stoffen –
so, siehst du, so & nicht anders gehen uns die Jahre:
im Zurechtrücken von Handtaschen, in verschmierter Schrift, zitternd & durchgestrichen, zwischen zwei Stationen geschrieben, im Licht, das überall zugleich ist,
im Sehen
– dein maßloses Lachen!
& Hände
Hände
& Arme
Arme,
die untrennbar sind, verknüpft von roten Fäden, die uns tanzen lassen wie Marionetten, aber hier – hörst du?
hier schnappen schon die Scheren!

So gehen die Jahre,
frei & laut & immer dem Sterben einen Schritt voraus, denn wir sind ewig im Wollen & ewig im Überwinden & ewig im Scheitern & in der Liebe neugeboren & wartend wie Asche,
wirbelnd in fremden Winden, die uns Sehnsucht sind, die Suche nach Halt,
die Suche!
klackernd wie Tasten & im Knistern der Lautsprecher. Da sind Rosenblüten, hinabgeworfen auf die Urnen im Grab
– die Jahre sind unbezähmbar & wild & voller Angst & voller Mut, denn wir leben,
schau wie mutig wir leben!,
denn wir riskieren ja doch alles,
alles, was wir müssen,
um am Ende
– nicht zu verstummen.

Wir sind die Stimmen, wir sind die Zeit.

In den Worten, die waren & sind & sein werden, da sind wir ewig,
& so, nicht anders, gehen die Jahre,
mit Herzen wie Pendel
& hier: einstürzende Wände & Decken & Staub, der uns die Lippen stäubt,
& weiß sprechen wir unsere Namen, glitzernd im Licht: Staubnamen, vergessen vielleicht von allen & im Brennen der Sterne & Sonnen.
Aber ein Moment! Immer Gelebtes!

Das ist nicht wertlos. Es ist göttlich.